Vorstellung der Arbeitseinheit Rechtspsychologie
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Was ist Rechtspsychologie?
Schwerpunkte in der Lehre
Anwendungs-/Berufsfeld
Forschungsschwerpunkte
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Köhnken, Prof. Dr. Günter [UnivIS: Person & Lehre anzeigen]
Anschrift: Olshausenstraße 75, Gebäude III, 24118 Kiel
Raum: 279b
Telefon: 0431-880-7317
Telefax: 0431-880-3237
Email: koehnken![]()
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Was ist Rechtspsychologie? | top
Der Gegenstand der Rechtspsychologie ist die Anwendung psychologischer Theorien, Methoden und Erkenntnisse auf Probleme des Rechtssystems. Die Bezeichnung Rechtspsychologie stellt dabei den Oberbegriff für die Forensische Psychologie (früher auch Gerichtspsychologie) einerseits und die Kriminalpsychologie andererseits dar. Die Forensische Psychologie beschäftigt sich u.a. mit der Begutachtung der Zuverlässigkeit und Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen und der Verantwortlichkeit von Straftätern. Auch Fragen der Zeugenvernehmung sowie des Wiedererkennens von Tatverdächtigen durch Augen- und Ohrenzeugen werden hier behandelt. Im zivilrechtlichen Bereich stehen Gutachten zum Sorge- und Umgangsrecht bei Scheidungen im Vordergrund. Gegenstand der Kriminalpsychologie sind Fragen der Entstehung, Prognose und Prävention von kriminellem Verhalten.
Schwerpunkte in der Lehre | top
Das Curriculum Rechtspsychologie im engeren Sinne besteht aus zwei Säulen: der forschungsorientierten Vertiefung Rechtspsychologie sowie dem Schwerpunkt in der Pädagogischen Psychologie (s. hierzu unter Pädagogische Psychologie). Zusätzlich können Lehrveranstaltungen in den Nachbarwissenschaften Kriminologie, Rechtswissenschaft, Sexualmedizin sowie Forensische Psychiatrie besucht werden.
In der forschungsorientierten Vertiefung Rechtspsychologie wird primär der forensisch-diagnostische Teil der Rechtspsychologie behandelt. Hier stehen - neben den rechtlichen Grundlagen der Sachverständigentätigkeit - die Begutachtung von Zeugenaussagen sowie die Begutachtung der Verantwortlichkeit von Straftätern im Vordergrund. Darüber hinaus werden auch Themen aus der Polizeipsychologie sowie dem Zivilrecht (Familienrecht, Delikthaftung) behandelt. In der Einführungsvorlesung wird ein Überblick über die für die Rechtspsychologie wichtigen gesetzlichen Bestimmungen gegeben. Insbesondere werden die Rechte und Pflichten von Sachverständigen, der Aufbau des Gerichtswesens sowie der Gang eines Strafverfahrens behandelt. Ferner werden Forschungsergebnisse zur Zuverlässigkeit und Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen, besondere Probleme bei kindlichen Zeugen und die Begutachtung der Verantwortlichkeit von jugendlichen, heranwachsenden und erwachsenen Straftätern erörtert. Darüber hinaus werden Seminare zu wechselnden Themen (z. B. aus der Polizeipsychologie, zu speziellen Deliktbereichen oder zur familienrechtlichen Begutachtung) durchgeführt.
Anwendungs-/Berufsfeld | top
Psychologinnen und Psychologen mit Interessenschwerpunkt Rechtspsychologie sind u.a. tätig in Justizvollzugsanstalten, im polizeipsychologischen Dienst, in Beratungsstellen und Opferbetreuungsorganisationen sowie als freiberuflich tätige Gutachter und Gutachterinnen. Nach dem Studium kann eine berufsbegleitende Weiterbildung mit einer Zertifizierung als "Fachpsychologe/Fachpsychologin für Rechtspsychologie" absolviert werden.
Forschungsschwerpunkte | top
Im forensisch-diagnostischen Teil der Rechtspsychologie wird gegenwärtig in Kooperation mit der sexualmedizinischen Forschungs- und Beratungsstelle untersucht, welche Faktoren zur Begutachtung der Schuldfähigkeit von Sexualstraftätern sowie der Begutachtung von Zeugenaussagen mutmaßlicher Opfer von Sexualdelikten führen. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist die Untersuchung suggestiver Prozesse in Interviews. In diesem Zusammenhang wird ferner untersucht, wie sich Hypothesen zu sozialen Sachverhalten durch bestimmte Immunisierungsstrategien verfestigen und schließlich änderungsresistent werden. Weitere Forschungsarbeiten betreffen die Qualitätsanalyse von Zeugenaussagen, das akustische und visuelle Wiedererkennen von Personen sowie die Auswirkungen prozeduraler Gerechtigkeit auf die Einhaltung von Sorgerechtsvereinbarungen.
