Interview mit Dr. Daniel Wollschläger zum Studienfach Psychologie

Psychologie setzt auf Empirie und Experimente

Interview mit Dr. Daniel Wollschläger (erschienen im Steckbrief Psychologie)

185 Studiengänge und zirka 80 Fächer hat derzeit die Universität Kiel im Angebot. Doch welches Fach ist für wen das richtige? Antworten zum Fach Psychologie gibt Studienfachberater Dr. Daniel Wollschläger im Gespräch mit Martin Geist.

Welche Inhalte stehen genau hinter dem Fach Psychologie?

Psychologie ist als Diplomstudiengang mit einer Regelstudien­zeit von zwei Jahren Grund- und zweieinhalb Jahren Hauptstu­dium organisiert. In den ersten vier Semestern dominieren die grundlagenwissenschaftlichen Inhalte und die methodischen Aspekte. Das hat den Hintergrund, dass die Psychologie in Kiel sich als empirische Naturwissenschaft versteht. Die Schnitt­stelle ist dabei das Experiment. Versuchsplanung und empi­risches wissenschaftliches Arbeiten spielen deshalb eine große Rolle. Und damit auch die Statistik, die im Grundstudium einen Anteil von gut einem Drittel einnimmt. Inhaltlich gliedert sich das Studium in mehrere große Bereiche. Da geht es zum Beispiel um Wahrnehmung und Kognition, damit zusammenhängend auch um Biologische Psychologie und die Frage, was eigentlich in unserem Körper passiert, wenn wir Farben sehen, Töne hören oder Stress erleben. Die Sozialpsychologie, die sich mit der Wechselwirkung von Individuum und Gruppe auseinandersetzt und die Entwicklungspsychologie, die sich Denk- und Wahrneh­mungsmustern besonders von Kindern und Jugendlichen aus­einandersetzt, sind weitere Schwerpunkte.

Welche Berufe stehen Psychologen offen?

Die beiden größten Berufsfelder sind der Gesundheitsbereich und die Wirtschaft. Prävention und Rehabilitation sind wichtige Tätigkeitsgebiete von Psychologen und natürlich auch die therapeutische Praxis, die allerdings eine mehrjährige berufsbegleitende Weiterbildung nach dem Diplom voraussetzt. Diese Weiterbildung wird in aller Regel von privaten Einrichtungen geleistet und ist nicht ganz billig. In der Wirtschaft ist das Personalmanagement ein Schwerpunkt der Psychologen. Arbeitsplätze gibt es aber auch in der Pädagogik, man denke etwa an Schulpsychologen. Speziell für Kieler Absolventen ist die Forensische Psychologie interessant, weil wir hier einen Schwerpunkt haben. Resozialisierung, Prävention und die Glaubwürdigkeit von Zeugenaussagen sind hier einige große Themen.

Gibt es typische Missverständnisse, denen Studienanfänger in Psychologie aufsitzen?

Ein großes Missverständnis ist der Glaube, dass die Psychologie sich vor allem mit kranken Menschen auseinandersetzt. In Wahrheit läuft es genau wie im Medizinstudium: Man muss erst den Normalzustand verstehen, um später kompetent mit Krankheiten umgehen zu können. Gern unterschätzt wird außerdem die Rolle der Statistik. Wer dieses Fach wählt, muss kein Mathe-Genie sein, sollte aber keine Angst vor Zahlen haben und Bereitschaft zeigen, Zeit in dieses Metier zu investieren.

Wie sind Sie selber zur Psychologie gekommen?

Als Schüler interessierte ich mich stark für populärwissenschaftliche Veröffentlichungen zur Hirnforschung. Außerdem kannte ich einige Psychologiestudenten, die ich dann über das Fach ausfragte. Als nach dem Abitur die Entscheidung anstand, kam für mich keine andere Wahl infrage.