Tipps für Referenten
Erstellt für das Seminar zur Allgemeinen Psychologie I, WS 2003/04, von K. Rogalski.
Vorbemerkung | top
Erfahrungsgemäß haben viele Studenten Schwierigkeiten mit Referaten, besonders mit den ersten Referaten... daher möchte ich hier ein paar Tipps geben, die ich für sinnvoll halte.
Diese Tipps gelten für meine eigenen Seminare; die angestrebte Form der Referate kann bei anderen Dozenten durchaus eine andere sein, daher möchte ich diese Vorschläge nicht als allgemeingültige Regeln verstanden sehen!
Tipps | top
- Ein Referat ist nicht dazu da, den Inhalt eines Textes (oder auch mehrerer) einfach nur aufzulisten oder zusammenfassen, eventuell sogar wörtlich. Sondern: es sollen wichtige Sachverhalte und Befunde dargestellt und - ganz wichtig - möglichst verständlich erklärt werden! Das heißt nun zweierlei: erstens, Sie müssen im Text zwischen wichtigen und unwichtigen Details unterscheiden, und zweitens, Sie müssen sich überlegen, wie Sie die Sachverhalte in die Köpfe Ihrer Kommilitonen "einpassen" können. Und natürlich, was Sie dafür tun können, daß da auch was hängenbleibt.
- Es ist sinnvoll, die Beteiligung der Anwesenden zu fördern. Wenn nur der Referent (und der Dozent natürlich) wach bleiben können, weiß nachher auch fast keiner mehr, worum es eigentlich ging. Und dann können wir uns das Ganze sparen! Beteiligung fördern kann man durch Fragen an die Zuhörer (besonders, wenn irgendwas schon bekannt sein sollte), lustige Beispiele (wenn passend; man sollte es aber auch nicht übertreiben!), kleine Demonstrationen (wenn es um Gedächtnis geht, bietet sich das manchmal an), ... Allerdings ist ein Referat natürlich auch keine Gameshow. Diese Mittel sollten strategisch eingesetzt werden, um Aufmerksamkeit zu halten - nicht zur reinen Unterhaltung der Zuschauer.
- Versuchen Sie, den Überblick zu behalten und sich nicht zu sehr in Details zu verlieren. Zwar sind Details oft wichtig, aber es gibt i.a. einen Grund, warum man sie darstellt. Den sollte man gerne dazusagen bzw. (gerade wenn's länger und komplizierter wird) den Zuhörern ins Gedächtnis zurückrufen. Was sich Zuhörer meiner Einschätzung nach am Häufigsten fragen, ist "worum geht es insgesamt?" und "wofür ist das wichtig?" Es wäre schön, wenn diese Fragen seltener würden (also im Referat schon beantwortet würden). Viel läßt sich durch eine klare Struktur und Gliederung erreichen. Denken Sie darüber nach, welche Fragen auftauchen könnten - man kann zwar nicht alle Fragen antizipieren, aber manche schon.
- Am Ende eines Referates ist es besonders nützlich, eine kleine Zusammenfassung zu geben. Am besten nochmal ins Gedächtnis zu rufen, was man nun gelernt haben sollte oder was für Fragen man nun beantworten können sollte. Meist bleiben diese letzten Worte am besten im Gedächtnis, und anhand derer läßt sich vielleicht dann sogar noch ein wenig mehr des Referates rekonstruieren.
- Teilen Sie sich die Zeit gut ein. Sie haben knapp anderthalb Stunden Zeit; man verschätzt sich leicht bei der Frage, "wie lange brauche ich für diesen Vortrag". Am besten, sie halten einen Probevortrag - und wenn es nur zu hause vorm Spiegel ist. Etwas nützlicher sind Probevorträge vor Mitbewohnern oder sonstigen wehrlosen Opfern, die nicht rechtzeitig geflüchtet sind - dann bekommen Sie vielleicht sogar einen Eindruck davon, welche Nachfragen kommen könnten und ob der Vortrag die Aufmerksamkeit halten kann. Aber zumindest sollten Sie Ihre Zeiteinteilung prüfen.
- Lesen Sie Ihr Referat um Gottes willen nicht vom Blatt ab - sonst kann ich fast dafür garantieren, daß alle Ihre Zuhörer (außer mir hoffentlich) einschlafen. Machen Sie sich lieber Stichworte und formulieren Sie frei, auch wenn es vielleicht schwer fällt. Glauben Sie mir, nach einem abgelesenen Referat hat nachher bestimmt keiner viel verstanden. Auch wenn Sie vorher noch so sehr an Ihren Formulierungen feilen.
- Wenn Sie Diagramme zeigen, erklären Sie diese. Ein "wie man hier sieht, passiert folgendes" ist oft zu wenig. Was sind da für Balken oder Linien zu sehen, was bedeuten die Achsen, was hat man überhaupt gemacht? Was für Maßeinheiten wurden verwendet? Überlegen Sie, was Sie alles erklären müssen, ehe Ihre Zuhörer verstehen, worum es geht, und den zu erklärenden Effekt überhaupt erkennen können. Vergessen Sie nicht, daß wenige außer Ihnen den ganzen Text gelesen haben und noch weniger seherische Fähigkeiten haben. Das klingt trivial, ist es aber nicht. Nebenbei bemerkt: Ein Schaubild alleine beschreiben und nicht zeigen überfordert garantiert ihre Zuhörer, mich inklusive.
- Ein Handout muß sein, damit Ihre Zuhörer später zumindest die Themen Ihres Vortrages noch wissen und sich Notizen dazu machen können. Es kann ausführlich sein, muß aber nicht. Die reine Gliederung (also Überschriften) Ihres Vortrages wäre ein bißchen wenig; etwas vom Inhalt sollte schon drin sein. Stichworte genügen, aber Sie dürfen sich natürlich auch mehr Mühe geben. Bislang war die Präferenz meiner Seminarteilnehmer recht gleichmäßig aufgeteilt zwischen "ich will ein ausführliches Handout bekommen" und "ich will ein knappes Handout bekommen". Jeder Teilnehmer (mich eingerechnet) sollte ein Exemplar bekommen und eines gehört in den Handapparat; etwa 15 Kopien reichen vermutlich für dieses Seminar.
- Wenn Sie im Text was nicht verstehen oder sonstige Fragen haben, fragen Sie ruhig in der Vorbesprechung! Es ist besser, das Referat ist mit ein wenig Hilfe nachher gut und alle haben was davon, als daß Sie sich da völlig alleine durchbeißen und nur sagen können, "im Text stand folgendes und ich verstehe es auch nicht". Mißverstehen Sie das nicht - bereiten Sie sich vor auf diese Vorbesprechung. Manchmal tauchen Fragen auch erst auf, wenn Sie etwas genau lesen oder wenn Sie mal versuchen, einen Sachverhalt zu erklären. Und manchmal lösen sich Fragen von alleine, wenn man gründlich liest oder nochmal überlegt, was insgesamt das Thema des Referates ist... Am besten Sie haben das Referat schon praktisch fertig vorbereitet, wenn Sie kommen. Ich kann zur Not auch zwei Vorbesprechungstermine anbieten, wenn Sie mit dem Textverständnis Schwierigkeiten haben und erst dazu Fragen stellen wollen, ehe Sie Ihr Referat aufbauen können. Wenn ich sehe, daß Sie sich wirklich bemühen, die Inhalte zu verstehen und gut zu referieren, ist das auf jeden Fall ein Pluspunkt.
- Wenn Sie in Ihrem Vortrag mehr an technischen Hilfmitteln brauchen als nur den Overhead-Projektor, dann melden Sie das rechtzeitig an. Ein Videobeamer sollte (bei einer Vorwarnzeit von 10 Tagen für mich) vom Institut aus verfügbar sein, den Laptop mit Ihrer Powerpoint-Präsentation drauf (zum Beispiel) sollten Sie besser selber mitbringen. Irgendwas an Veranschaulichung, Gliederung usw. auf Folie o.ä. sollte auf jeden Fall sein. Damit fokussieren Sie die Aufmerksamkeit und erhöhen die Chance, daß wichtige Stichpunkte hängenbleiben. Und es fällt Ihren Zuhörern leichter, den roten Faden nicht zu verlieren.
Sollten Ihnen wichtige Punkte einfallen, die ich hier nicht erwähnt habe, würde mich das durchaus interessieren! Das Seminar ist dazu da, daß SIE was lernen, und zwar nicht nur über Ihr eigenes Referatsthema. Dieses Seminar ist sogar in weiten Teilen konkrete Prüfungsvorbereitung; lassen Sie uns also versuchen, die Zeit nicht zu verschwenden.
