Institut für Psychologie

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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Info-Papier zur Durchführung von Seminaren

(H. Fillbrandt)

f) Hinweise zur Gestaltung von Referaten und Hausarbeiten

Damit ein Referat oder Hausarbeit gelingt, sind eine Reihe von Gesichtspunkten zu beachten, von denen im Folgenden einige wichtige kurz angesprochen werden.

Der erste Abschnitt besteht in einer kurzen Einführung oder Einleitung. Eine solche hat immer zwei Fragen zu beantworten, die Frage nach dem Worum und die Frage nach dem Warum, also Worum es in der Sache gehen soll und warum das Thema von Bedeutung ist. Die Einführung ist also so zu formulieren, dass an einem als vorhanden anzunehmenden allgemeinen Wissensstand des Zuhörers angeknüpft und sodann in Richtung des konkreten Themas konkretisiert/präzisiert/spezifiziert wird. Das kommt in der Regel einer Einbettung/Einordnung des Themas in ein größeres Sachgebiet, Kontext oder Suprastruktur gleich, dabei vom Allgemeinen zum Besonderen (hinein-)führend, von einem allgemeinen, dem Zuhörer schon bekannten Sachgebiet zum speziellen des Themas. Parallel zu dieser Hineinführung in der Sache ist natürlich von Interesse, aufgrund welcher jeweiligen Frage- bzw. Problemstellungen Untergebiete entstanden sind bis zum Unter-Unter-...Gebiet des anstehenden Themas, wie man also auf diese Fragestellung gekommen ist, warum man das fragt, wozu Wissen, mit dem diese Fragestellung beantwortet werden könnte, gut sein könnte. Eine Antwort ist die Antwort auf das Warum des Themas. Es geht um denSinn/Wert/Bedeutung des Themas, damit auch des jeweiligen Forschungsgegenstandes. Insbesondere diese Bedeutung ist es, die die Zuhörer/den Leser neugierig macht und sie/ihn zum Zuhören/Weiterlesen motiviert, gespannt darauf, was angesichts der vorgehobenen Bedeutung des Themas nun bislang (aus evtl. verschiedenen Forschungsansätzen) herausgekommen ist, so wie man selbst beim Lesen der direkten Forschungsergebnisse bzw. der sekundären, mehr überblickenden Literatur gespannt war. Wenn diese Bedeutung nicht zu Beginn mitgeteilt wird, werden sich viele Zuhörer während des Referats ständig fragen, "was das Ganze denn nun soll", "wozu es gut sein soll", "warum man das überhaupt macht/forscht", "warum wir das denn überhaupt wissen müssen".

Ist so in einem ersten kurzen Abschnitt das Wesen/der Kern des Themas/der Fragestellung verständlich gemacht worden, hat man dem Zuhörer/Leser ein (Beurteilungs-)Kriterium erarbeitet für das Wesen der nachfolgenden "Botschaft" (des Referats bzw. der Hausarbeit) geschaffen. Es ist aber ein Kriterium, das man nicht eigens für die Zuhörer/Leser schafft. Man braucht es nämlich selbst bereits bei der Suche nach einer ihm bzw. dem Thema "entsprechenden" Literatur, bzw. beim Lesen der empfohlenen Literatur. Man sucht und liest dann selektiv, genauer "thema-orientiert", man liest, wählt aus und stellt zusammen unter der Perspektive des Themas. Nicht alles Gelesene wird so gleich wichtig sein, sondern gemäß dieser Bewertung durch das Thema wird es sehr Wichtiges, weniger Wichtigeres und viel Unwichtiges geben, wobei Letzteres in einem anderen Zusammenhang durchaus wichtig sein kann, nur eben hier bei diesem Thema nicht.  Es ist also "thema-regiert" eine Hierarchie von Wichtigkeiten aufzuspannen. Diese Hierarchie ist dann die Gliederung des Referats/der Hausarbeit. Weiß man nämlich, wonach das Thema im Kern fragt, dann weiß man auch, welches wohl die wichtigsten (Teil-)Antworten sind, so wie diese bislang durch Forscher gefunden und in der Literatur dargestellt werden. Gemäß solchermaßen erkannter wichtiger Antworten ist also das weitere Referat/die weitere Hausarbeit zu gliedern, d.h. in einige wenige Hauptabschnitte mit jeweils wenigen Unterabschnitten einzuteilen. Denkpsychlogisch nennt man das, was in diesem Absatz angesprochen wird und Kern/Wesen der vom Referenten/Hausarbeiter zu leistenden Arbeit ist, eine vom Thema vorgeschriebene Analyse von (Literatur-)Daten und zum Thema zurückführende Synthese thema-relevanten Wissens. Dieser Prozeß ist hier nicht genauer zu erklären. Allgemein entspricht er einer (allegemienen Theorie der) "Untersuche" von Fragetsellungen bzw. Hypothesen, hier in der Anwendung auf Literatur.

Bei der Zusammenstellung thema-relevanten Wissens darf durchaus eine gewisse Vereinfachung stattfinden, insbesondere bei einem Referat, wo nicht zuviele Einzelheiten gebracht werden können und dem Zuhörer schnell der Überblick verloren gehen kann. Bei einem Referat ist besonders wichtig, dass vor allem seine Hauptbotschaft rüberkommt.

Eine Vereinfachung kann sowohl die Zahl von Teilbotschaften betreffen, die angesprochen werden sollten, als auch den Inhalt der jeweiligen Teilbotschaft. Vielleicht ist ja alles tatsächlich recht kompliziert, was man da referieren/schreiben soll, eine Kompliziertheit allerdings, die man den Zuhörern/dem (studentischen) Leser in der verfügbaren Zeit unmöglich klarmachen kann. Da hat man dann nicht über die Kompliziertheit zu jammern, sondern zu entscheiden, was bzw. wieviel man nur in welcher Auflösung darstellen kann, jedoch so, dass man a) dem Thema in der verfügbaren Zeit bzw. auf der ja vorgegebenen Seitenzahl (noch) gerecht wird und b) dass man trotzdem verstanden wird. Einerseits kann es vielleicht besser sein, ein großes Teilgebiet wegzulassen (Mut zur Lücke), damit man andere dafür eingehender (tiefer) behandeln/strukturieren/erklären kann. Andererseits kann man ein großes Gebiet, das für die Teil-Beantwortung des Themas wirklich wichtig ist, nicht einfach verschweigen. Man hat also ein Mittelmaß zwischen Breite und Tiefe des Referats zu finden. Breite meint die Zahl der Teilbotschaften bzw. Hauptabschnitte des Referats, Tiefe die Aufgliederung dieser Hauptabschnitte in Unter- und Unterabschnitte. In einem Referat kann die Tiefe in der Regel nicht so tief sein wie in einer Hausarbeit. Oft ist nur eine Gliederung in Haupt und Unterabschnitte möglich. Wichtig ist jedoch, dass man bei einer Untergliederung, von oben einen zunächst allgemein angesprochenen Sachverhalt immer mehr auflösend, die oben liegenden allgemeinen Fragen/Unterfragen konkret/anschaulich bespielhaft beantwortet, so dass sie nicht nur "von oben" her verstanden werden, sondern auch "von unten". Der Witz eines guten Referats/einer guten Hausarbeit, besonders die "Kürze der Würze" besteht deshalb darin, einerseits auf einer allgemeinen Ebene umfangreiche Gebiete anzusprechen und damit inhaltlich "viel", jedoch andererseits immer so, dass diese allgemeinen Aussagen schlaglichtartig veranschaulicht/konkretisiert/verbeispielt werden, ohne dass man sich dabei allerdings "in den Einzelheiten verliert", also möglichst schnell wieder nach oben zu den allgemeineren Ebenen zurückkehrt. Geschieht Letzteres nicht, so hat man in einem anderen Sinn zwar auch "viel" gebracht, jedoch wird sich der Zuhörer/Leser dann bald fragen, "was denn nun all die vielen Einzelheiten sollen", was aus ihnen folgen soll, was sie denn nun eigentlich zusammengefaßt bedeuten, worum es eigentlich geht, was sie mit dem Thema zu tun haben. Die Kürze bzw. Würze liegt also in einem ständigen Wechsel zwischen den Auflösungs/Zusammenfassungsebenen, letztlich in der Darstellung einer Sache als Wechselbeziehung zwischen oben und unten. Dann wird eine allgemeine Aussage/ein allgemeiner Begriff, gleich auf welcher Auflösungsebene, auch "von unten" verstanden. Sie/er bleibt dann nicht mehr allgemein, sondern wird dann auch abstrakt. Der Zuhörer/Leser bekommt dann einerseits erläutert, was "unter" den vielen neuen Begriffen/Fachausdrücken" zu verstehen ist, und andererseits bekommt er einen allgemeinen Überblick vermittelt, d.h. er vermag die vielen mitgeteilten Einzelheiten auch "von oben" zu (über-)sehen, einzuordnen bzw. zu verknüpfen. "Verstehen" meint also ein Verstehen von oben und von unten, beides immer zusammen. Das beim Zuhörer/Leser zu erreichen ist das qualitative Ziel eines Referats/einer Hausarbeit. Je besser es realisiert wird, umso besser wird das Referat/die Hausarbeit auch "in der Sache" sein. Es wird strukturiert sein, jedoch nicht irgendwie, sondern eine themagerechte, d.h. auf das Thema ausgerichtete "richtige" Infrastruktur aufweisen, eine das Thema beantwortende Sachstruktur.

Wenn man derart ein Referat/eine Hausarbeit auszuarbeiten versucht, wird die Gefahr gemindert, in die üblichen Fehler verfallen, z.B. eine Belesenheit/Vielwissen demonstrieren zu wollen; oder mit Fachvokabeln, die man selbst noch kaum beherrscht, um sich zu werfen; oder aus Unsicherheit bzw. mangels Nachdenkens Sätze oder Absätze aus der Literatur komplett zu übernehmen; oder, statt Begriffe und Inhalte im Sinne einer Sachstruktur zu verknüpfen, alles additiv nebeneinander zu stellen: "Und dann gibt es noch ..., und dann noch ...".

Ein Referat/eine Hausarbeit schließt mit einer Zusammenfassung (Schlußbetrachtung) ab. Dieser letzte Abschnitt hat die Funktion, noch einmal kurz das Thema und die gefundenen Antworten/Literaturergebnisse zusammenzufassen. Dadurch wird der Zuhörer/Leser darin erinnert, von welchem Thema/welcher Fragestellung man eigentlich ausging, und welches nun auf den Punkt gebracht kurz und bündig die Antworten sind, die man (in der Literatur) fand. Sodann ist in einigen wenigen Sätzen das Thema noch zu übersteigen, indem man auf den Kontext hinweist, aus dem dieses Thema stammt und der das Thema ja bewertet/bedeutet, und man nun erst die Ergebnisse entsprechend bewertet/interpretiert. Das kann auch zu weiteren Vorschlägen führen, z.B. zur Einbeziehung weiterer Literatur oder anderer Sachgebiete oder zu weiteren Forschungs-Vorschlägen. Ein solches Übersteigen des Themas bedeutet die Rückkehr zur Einleitung, also zu dem Punkt, von dem man ausging.