Institut für Psychologie

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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Info-Papier zur Durchführung von Seminaren

(H. Fillbrandt)

d) Referate

In der Regel besteht ein Seminar aus einer Reihe von Doppelstunden, in denen einzelne Themen vorgetragen und diskutiert werden sollen. Diese Themen sowie die zugehörige Kernliteratur werden zu Beginn des Seminars bekannt gegeben. Sie können als Referate vergeben werden. Besonders schwierige oder wesentliche Themen wird die/der Seminarleiter/in selbst vortragen. Auch gibt sie/er in der Regel in der ersten Doppelstunde eine Einführung in das Thema/Sachgebiet des Seminars, so wie sie/er auch meist selbst in der letzten Doppelstunde einer Zusammenfassung des Seminars geben wird.

Die Referate werden in der ersten Doppelstunde an Teilnehmer/innen des Seminars vergeben, jedoch vorrangig an solche Teilnehmer/innen, die immatrikuliert sind und das Fach Psychologie als Haupt- oder Nebenfach studieren.

Die zu verwendende Literatur kann auch in Englisch abgefasst sein. Neben der angegebenen Kernliteratur kann zur Aufgabe gemacht werden, noch weitere Literatur zum Thema zu suchen (Literaturrecherche) und zu verwenden.

Pro Doppelstunde sollten in der Regel nur 1-2 Referate vergeben werden. Gruppenreferate, also mehr als zwei Referate, sollten nach Empfehlung des LK die Ausnahme bleiben. In einem solchen Fall sollte zwecks Beurteilung der individuellen Leistung darauf geachtet werden, dass die einzelnen Beiträge klar voneinander abgrenzbar sind und für sich beurteilt werden können. Auch sollte dann mitbedacht werden, ob der Umfang der erbrachten Leistung bereits zum Erwerb eines Leistungsnachweises ausreicht. Die Frage stellte sich andererseits z.B. dann weniger, wenn zusätzlich noch am Ende des Seminars eine Klausur zu schreiben ist.

Handelt es sich um ein einzelnes Referat, was oft der Fall ist, sollte es einen Umfang von 30-45 Minuten haben. In der zweiten Hälfte der Doppelstunde sollten die Inhalte des Referats diskutiert werden. Die/der Seminarleiter/in kann weitere Informationen hinzufügen, jedoch sollte ein Seminar nicht zu einer Vorlesung umfunktioniert werden. Im Vordergrund sollte die Möglichkeit der Studierenden stehen, Fragen stellen zu können und sich durch eine Frage-Antwort-Wechselspiel bzw. durch Diskussion in neues Wissen einarbeiten zu können. Die/der Seminarleiter/in kann dazu jedoch voraussetzen, dass zwecks Führung einer einigermaßen kompetenten Diskussion bestimmte Literatur vorher zu lesen ist. In diesem Fall hat sie/er sich darum zu kümmern, dass alle Teilnehmer an die empfohlene Literatur herankommen können. Übermäßiger Pflicht-Kauf von Literatur bzw. zu häufiges Pflicht-Kopieren durch die Studierenden ist zu vermeiden.

Wenn pro Doppelstunde mehr als ein Referat vergeben wird, sind Seminare denkbar, wo alle Teilnehmer ein Referat zu halten haben. Sollten in einem Seminar jedoch mehr Studierende einen Leistungsnachweis erwerben wollen als Referate zu vergeben sind, so können auch andere Leistungen gefordert werden, z.B. Hausarbeiten. Über die Äquivalenz der verschiedenen Leistungen entscheidet die/der Seminarleiter/in.

Da wohl von der meisten Seminarleiter/innen nur ein Referat pro Doppelstunde angesetzt wird, tritt unter der Annahme, dass das Referat eine zum Erwerb des Leistungsnachweises notwendige Leistung ist und statt des Referats nicht auch die Erbringung einer qualitativ gleichwertigen anderen Leistung von den Seminarleiter/innen angeboten wird, die Frage auf, ob die Zahl der angebotenen Referate über alle Seminare hinweg ausreicht, um die Nachfrage nach Leistungsnachweisen zu befriedigen:

Rechnung für das Grundstudium Hauptfach: Es werden ca. 75 Hauptfachstudierende pro Jahr aufgenommen. Diese haben 4 Leistungsnachweise in den 6 inhaltlichen Fächern zu erwerben, insgesamt wird also die Möglichkeit des Erwerbs von 4 * 75 = 300 Leistungsnachweisen/Referaten nachgefragt. Angeboten werden pro Fach mindestens 2 Seminare pro Semester, in 2 Semestern also mindestens 2 * 2 * 6 = 24 Seminare. (2 Semester und nicht 4 sind anzusetzen, da nach einem Jahr bereits wieder 75 Studierende aufgenommen werden.) Wenn man von Einzelreferaten pro Doppelstunde ausgeht, können pro Seminar etwa 12 Referate gehalten werden, bei 12 Seminaren wären also 12 * 24 = 288 Referate im Angebot. Wie man sieht, könnte also bereits mit Einzelreferaten die Nachfrage in etwa abgedeckt werden. Hinzu kommt allerdings noch die erhebliche Zahl der Nebenfächler, die ebenfalls Leistungsnachweise zu erwerben haben. Jede/r Seminarleiter/in sollte deshalb bedenken, im selben Seminar auch noch andere Möglichkeiten des Erwerbs von Leistungsnachweisen anzubieten. Das geschieht ganz offensichtlich auch, denn bisher sind keine Probleme aufgetreten. Das Angebot scheint auszureichen, so dass nicht theoretische Probleme gelöst werden sollten wo gemäß Erfahrung keine sind.

Referate haben zwei Übungsfunktionen:

  • Referat vortragen: Zum einen bieten sie den Studierenden die Chance, vor Zuhörern das Vortragen eines Referats zu üben. Das bedeutet z.B., dass nicht ein schriftlich ausgearbeitetes Referat vorgelesen werden sollte, sondern geleitet von einer schriftlich fixierten mehr oder weniger dedaillierten Gliederung, die eine Art geordnetes Stichwortverzeichnis darstellt, frei über das Thema zu sprechen ist. Ein solche stichwort-geleitete freie Rede wird im allgemeinen mehr verstanden als (monoton) vom Blatt abgelesenes Schriftdeutsch, das oft auch durch viele Nebensätze und Satzverschachtelungen gekennzeichnet ist. Zu üben ist also die Verständlichkeit durch die Art des Vortrags. Die ausgearbeitete Gliederung kann dabei mittels Folie bzw. Beamer an die Wand projiziert werden, so dass die Teilnehmer die Gliederung im Überblick vor sich sehen und sich ständig vergewissern können, welches Gebiet/Untergebiet gerade erläutert wird. Statt der Projektion kann zu Beginn auch ein Handout ausgegeben werden. Das hat den Vorteil, dass die Teilnehmer während des Referats nicht versuchen, die Gliederung abzuschreiben, also vermutlich mehr zuhören werden, und vermutlich hinterher eher angeben werden, auch etwas verstanden zu haben. Dieser Vorteil des Zuhörens besteht aber nur, wenn das Handout nicht zu umfangreich ist, also wirklich nur eine stichwortartige Gliederung bringt. Ganze Sätze bzw. ganze Ausarbeitungen einzelner Gebiete verführen zum Lesen während des Referats, d.h. zur Ablenkung.

    Natürlich können zum Gelingen eines Referats weitere Hilfsmittel verwendet werden, Hilfsmittel, die in der Regel das (allgemein) Gesagte veranschaulichen/konkretisieren sollen, z.B. Schaubilder, Dias, Einsatz eines Beamers. Allgemein besteht die Gefahr ihrer Verwendung darin, dass sie zu zeitraubend sein können. Vom Referenten ist zu verlangen, dass er alle benötigten Teil-Zeiten genau einzuschätzen vermag. Eine andere Gefahr besteht darin, dass bei "dia- bzw. beamergeleiteten" Referaten eher "additive" Referate gehalten, d.h. hintereinander gereiht nur die gezeigten Bilder erläutert werden, ohne dass also deren Funktion in einem größeren theoretischen Zusammenhang deutlich wird, ohne das gezeigt wird, dass sie nur Mittel zum Zweck sind.

  • Referat themageleitet entwerfen/strukturieren: Zum anderen hat ein Referat die Übungsfunktion (wie auch die Hausarbeit), die Grundfrage des Themas zu erkennen und die empfohlene Literatur aus der Perspektive dieser Idee zu lesen ("zu untersuchen") und eine solche Referatsstruktur zu entwerfen, dass die übrigen Teilnehmer des Seminars diese Grundfrage und den Versuch (bzw. die Versuche) ihrer Beantwortung in der Literatur verstehen. Das bedeutet zum einen, unter der Perspektive (Sinn, Bedeutung, Aufgabe) des Themas Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen, und zum anderen, das Wesentliche nicht einseitig entweder nur in allgemeiner (von oben kommend) bzw. abstrakter (von unten kommend) Weise oder nur in konkret-anschaulich-beispielhafter Weise zusammen- und vorzutragen. Verständlichkeit in der Sache erfordert beides, Allgemeinheit/Abstraktheit und Konkretheit.

Von zentraler Bedeutung ist, dass die Botschaft(en) des Referats als der Doppelstunde auch tatsächlich "rüberkommt", d.h. von den Teilnehmern auch verstanden wird. Dieses Rüberkommen gilt als hauptsächliches Beurteilungskriterium des Referats, weil das Seminar nicht nur die Übung der beiden Funktionen zum Ziel hat, sondern in erster Linie die Lehrfunktion zu erfüllen hat. Es ist die primäre Aufgabe der/des Seminarleiter/s/in, ein Wissensgebiet zu lehren, wenn auch -teilweise- nicht selbst, sondern mit Hilfe studentischer Referate. Das ist deswegen kein Widerspruch, weil gerade in einem Hochschulstudium zur selbständigen Erarbeitung relevanten Wissens angeleitet werden soll. Daraus wiederum ergibt sich die Verpflichtung der/des Seminarleiter/s/in, statt selbst das Referat zu halten einen Referatsvorschlag des Referenten vor dem Halten des Referats durchzusprechen und Hinweise zum Gelingen des Referats zu geben. Auch sollte eine Nachbesprechung stattfinden. Im Extremfall ergibt sich aus der Lehrverpflichtung der/des Seminarleiter/s/in auch ihre/seine Pflicht, in schlechte Referate einzugreifen und richtigzustellen, oder sogar abzubrechen und den Stoff selbst zu referieren.

Um kein Ungleichgewicht in der zu erbringenden Leistung zwischen Referaten und Hausarbeiten entstehen zu lassen, sind Referate nicht noch zusätzlich (wie Hausarbeiten) in ausgearbeiteter Form abzugeben. Wohl aber sollte nach dem Halten des Referats eine Zusammenfassung von 3 - 4 Seiten vorliegen, die nach Durchsicht und Zustimmung durch die/den Seminarleiter/in in einen Handapparat gestellt wird, so dass die Teilnehmer des Seminars jederzeit kurz und knapp die gehörten Inhalte nachlesen können. Diese Zusammenfassung kann auch mit einem Handout zusammenfallen.

Das gehaltene Referat und die Zusammenfassung ist zu benoten. Die Note ist im auszustellenden Leistungsnachweis zu vermerken. In einem Nachgespräch unter vier Augen sollte dem Referenten eine Rückmeldung zur Qualität des Referats gegeben und die vergebene Note erläutert werden.